Wladimir Zoul

Schneider. Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime. Hingerichtet.

* 1914    † 1943

 

Lebenslauf

Wladimir Zoul wurde am 4.1.1914 in Wien geboren. Er arbeitete als Schneider. Er war Mitglied des tschechoslowakischen Arbeiterturnvereins.

Funktionär der illegalen KPÖ

Wladimir Zoul war Funktionär der illegalen KPÖ. Er agierte in Wien-Hernals ab Mitte 1940 als Bezirkskassier und Literatur-Obmann.

Widerstand, Verhaftung, Todesurteil

Am 9. 5. 1941 wurde Wladimir Zoul verhaftet und am 16. 12. 1942 in Krems gemeinsam mit Hedwig Urach, Alfons Peschke, und Franz Tesarik (alle hingerichtet) zum Tode verurteilt. Friedrich Nesvadba starb durch Selbsttötung. Am 17.5.1943 wurde Wladimir Zoul im Landesgericht I in Wien hingerichtet.

Aus dem Brief an seine Eltern, vom 9. 5. 1943

„Heute ist es gerade zwei Jahre, seitdem ich verhaftet wurde und damals glaubte ich nicht, dass dies mit einem Todes­urteil enden könnte. Seid nicht böse auf mich, liebe Eltern, was ich Euch in diesen zwei Jahren für Sorgen und Kummer angetan habe. Ich werde mich bemühen, nach glücklichem Ausgang die viele Güte zu vergelten. Zum Teil, denn alles ist mir, wie ich weiß, nicht möglich. Und heute ist auch der Muttertag. Ich denke besonders an Dich liebe Mutter und hoffe, dass Du heute lustig bist. Am heutigen Tage haben auch wir ein besseres Essen. Zu Mittag Gulasch. Also heute kein Gemüse. Seit dem ich hier bin, nahm ich 6 kg zu, aber trotzdem fehlen mir noch 11-12 kg auf mein Normalgewicht. Das Essen ist hier bedeutend mehr und dicker wie in der Schiffamtsgasse. Zwar verlangt der Portier mehr, aber ich bin heuer viel mehr zufrieden. Auch heute hat mir geträumt, dass ich auf einer Hochzeit war, der Bruder von Herrn Oblital hat geheiratet und da ist mir’s gut gegangen, die feinsten Sachen hab ich gegessen. Aber leider, das ist alles nur im Traume gewesen.“

Aus dem Sterbebuch

„Lehnt jeden geistlichen Beistand ab und stirbt mit den Worten ’Rot Front‘“

Gedenktafeln, Mahnmal

Sein Name steht auf einer von der KPÖ-Währing gestifteten Gedenktafel, die sich jetzt am Sitz der KPÖ (Wien 14, Drechslergasse 42) befindet; ebenso auf der Gedenktafel Wien 10 (Leibnitzgasse 10); ebenso auf der Gedenktafel Wien 10 (Neilreichgasse 100) und am Mahnmal für die Opfer des Widerstandes der tschechoslowakischen Minderheit in Wien.

Gedenkort - Landesgericht für Strafsachen Wien

Im ehemaligen Hinrichtungsraum des Landesgericht für Strafsachen Wien findet sich sein Name auf einer der Gedenktafeln.

Grab in Tschechien oder der Slowakei

Ursprünglich Wiener Zentralfriedhof, Gruppe 42. Am 6. 12. 1947 exhumiert und kremiert. Die Urne kam am 20. 1. 1948 in die ČSR.

Gedenkort - Gruppe 40, Zentralfriedhof

In der Gruppe 40 wurden die im Wiener Landesgericht Hingerichteten beerdigt. 2013 wurde die Gruppe 40 zur Nationalen Gedenkstätte erklärt.

Quellen und Bildnachweise

  • Willi Weinert, "Mich könnt ihr löschen, aber nicht das Feuer". 4. Auflage Wiener Stern Verlag, 2017
  • Bild Fallbeil/Guillotine: Leihgeber Kurt Brazda
  • Andere Bildrechte: Angabe bei Anklicken des Bildes (Bildinformation)
  • Andere Bilder: Privatbesitz oder Verein Zur Erinnerung

Porträt erstellt von Jürgen Heimlich, Verein Zur Erinnerung, auf Basis der angegebenen Quellen.

Weiterführende Informationen

  • DÖW Katalog zur permanenten Ausstellung. Hg. v. Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands, Wien 2006
  • Wolfgang Neugebauer, Der österreichische Widerstand 1938-1945, Wien 2008
  • Die Geschichte des Grauen Hauses und die österreichische Gerichtsbarkeit, Wien 2012
  • DÖW (Hg.) Widerstand und Verfolgungen in den österreichischen Bundesländern (Wien, Burgenland, Oberösterreich, Tirol, Niederösterreich, Salzburg), Wien 1975-1991
  • Heinz Arnberger, Claudia Kuretsidis-Haider (Hg.) Gedenken und Mahnen in Niederösterreich. Erinnerungszeichen zu Widerstand und Verfolgung, Exil, Befreiung, Wien 2011
  • Brigitte Bailer, Wolfgang Maderthaner, Kurt Scholz (Hg.), „Die Vollstreckung verlief ohne Besonderheiten“, Wien
  • Herbert Steiner, Gestorben für Österreich. Widerstand gegen Hitler. Eine Dokumentation, Wien 1995
  • Herber Steiner, Zum Tode verurteilt: Österreicher gegen Hitler. Eine Dokumentation, Wien 1964
  • Willi Weinert, „Mich könnt ihr löschen, aber nicht das Feuer“. Biografien der im Wiener Landesgericht hingerichteten WiderstandskämpferInnen gegen das NS-Regime. Ein Führer durch die Gruppe 40 am Wiener Zentralfriedhof. 4. Auflage Wiener Stern Verlag 2017
  • Lisl Rizi, Willi Weinert, „Mein Kopf wird euch auch nicht retten“. Korrespondenzen österreichischer WiderstandskämpferInnen aus der Haft. 4 Bände. Wiener Stern Verlag 2016

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